Unsere Rente interessiert nicht einmal uns

Ich denke, dass der Hauptgrund für unser Desinteresse an der privaten Altersvorsorge darin liegt, dass wir momentan noch eine Generation Rentner erleben, die ausreichend umlagefinanzierte Rente vom Staat bekommt. Den meisten ist nicht klar, dass wir (40 und jünger) aus zwei Gründen sehr viel schlechter dastehen werden, als die jetzige Rentnergeneration.

Zum einen sorgt die Rentenreform Anfang der 2000er Jahre dafür, dass sich selbst Durchschnittsverdiener auf die Grusi (Grundsicherung=Hartz IV für Rentner) freuen dürfen. Zum anderen haben aber die Generationen vor uns mehr verdient, mehr Vollzeit gearbeitet und damit mehr in die Rentenkasse eingezahlt, ergo mehr Rentenpunkte gesammelt. Zu Nachkriegs- und D-Mark Zeiten konnte ein einfacher Arbeiter gut leben, denn die Nachfrage an Arbeitskraft war groß. Wie man mit unserer Teilzeit-Generation in ein paar Jahrzehnten wohl finanziell umgeht – ich bin gespannt.

Zwei Punkte also, die sich wesentlich zu Ungunsten der kommenden Rentner-Generationen verschlechtert haben: Einkommen und Rentenniveau.

Selbst unsere Eltern machen sich vermutlich das Ausmaß für die Altersvorsorge ihrer Kinder nicht klar, weil es so weit weg ist, so irreal. Ihnen geht es zum großen Teil noch gut. Obwohl wir aber jetzt schon Rentner in Altersarmut erleben, ist die große Panik irgendwie noch nicht so ganz ausgebrochen.

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Es geht bergab, und zwar schon seit Jahrzehnten. Wo sich früher 5 Männeckes am Sozialmobil eine warme Suppe abholten, stehen heute duzende Menschen. Von den zahlreichen Tafeln und tausenden Menschen, die ohne diese Einrichtungen nicht über die Runden kommen würden, ganz zu schweigen. Ich habe den Eindruck, dass sich Leute früher viel gedemütigter fühlten als heute, wenn sie zur Tafel mussten. Heute ist das fast normal.

Diese Menschen sollen alle selber Schuld sein an ihrer Situation? Das ist schön einfach als Erklärung, nur leider zu einfach.

Und hey, so nervig schnorrende Junkies an Hauptbahnhöfen auch sind, und so sehr man sich über ihre wachsende Zahl ärgert, sie sind und bleiben ein Produkt unserer Gesellschaft. Als das sollte man sie betrachten, und sich nicht über sie ärgern, sondern über diesen miserablen Vater Staat.

Dann kann man sich vielleicht auch besser vorstellen, dass er auch uns eiskalt im Regen stehen lassen würde.

 

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