Warum deine Unabhängigkeit niemals der Preis sein darf

Lange habe ich propagiert, froh zu sein, als Frau Kinder bekommen zu können, da mir das eine Auszeit vom Job bescheren wird. Die Überlegung ging dahin, dass ich dann schön in Teilzeit arbeiten und die Freizeit genießen könnte. Je länger ich mich mit Geld- und Frauenfragen beschäftigt habe, desto klarer wurde mir, wie dumm das war.

Ich bin nicht die Einzige, die diesen bequemen Weg zu gehen träumt. Die Teilzeitquote bei den berufstätigen Müttern minderjähriger Kinder liegt bei 66,7%, im Gegensatz zu 5,6% bei den Vätern.

In Deutschland werden Ehepartner zudem steuerlich bevorteilt – Stichwort Ehegatten-Splitting. Leider endet das oft darin, dass die Frau nicht, oder nur auf Minijob-Basis arbeitet, da es sich steuerlich gar nicht lohnt, mehr zu arbeiten. Und da sitzt das Weibchen dann zu Hause, wie vor 60 Jahren auch schon. Nicht, weil es sich für die Frau nicht gehört, sondern weil es sich nicht lohnt. Irre.

Ständig kann man nachlesen, dass in Deutschland jede dritte Ehe geschieden wird, in Großstädten sogar jede zweite. Die Trennungsrate bei Unverheirateten kennt man nicht.  Gehen wir mal von den gleichen Zahlen aus. Das Risiko, von einer Scheidung oder Trennung betroffen zu sein liegt Pi-mal-Daumen bei 40%. Das ist ordentlich viel Risiko, findest du nicht?

Risikomanagement, sagt dir das was? Ja, genau, interessiert dich nicht, weil dich Trennungen nicht betreffen. Eine dämliche Zahnzusatzversicherung ist drin, aber wenn es um die Absicherung des eigenen Lebensstandards geht – kein einziger verschwendeter Gedanke daran.

Mal angenommen, ich bliebe nach der Geburt meiner zukünftigen Kinder zu Hause, weil mein Partner genug verdient. „UgaUga“ – „Ja fein hast du Männchen gemacht!“.  Angenommen, ich würde mich dadurch mehr um Haushalt, Kindererziehung und sonstige Dinge kümmern, die übrigens so gar nichts mit meiner persönlichen Selbstverwirklichung zu tun haben – „Hach, bevor ich mich auf die anstrengende Suche nach meiner Berufung mache, wasch ich lieber Wäsche. Is´zwar auch scheiße, aber immerhin hab ich meine Ruhe.“ – Angenommen, nach 10 Jahren sagt Schatzi dann „Ja, also tschüss dann, ich hab ne Neue.“

Was dann? Dann war ich 10 Jahre nicht im Job, habe 10 Jahre lang keine Rentenansprüche erworben und mich im schlimmsten Fall 10 Jahre lang beruflich null weiterentwickelt.  Immerhin kann ich nun krass gut Hemden bügeln.

Würde mein Mann das an meiner Stelle zulassen? Mit ziemlicher Sicherheit nicht. Welcher Mann gibt seine Unabhängigkeit auf, wenn er das seiner Frau überlassen kann?

Nicht abhängig zu sein, ist dein wertvollstes Gut.

Was ich sagen will, ist: Deine Unabhängigkeit ist unbezahlbar. Der Preis für eine bekackte Ehegattensplitting-Steuerersparnis (und mag sie noch so hoch sein!), für ein Leben ohne stressige Lohnarbeit, für deine Zeit mit den Kindern – der Preis darf nicht deine Unabhängigkeit sein. Aber genau damit bezahlst du, wenn du dich auf ein solches Modell einlässt.

Verlass dich lieber auch nicht auf den Versorgungsausgleich, die Witwenrente oder sonstige durch den Mann erworbenen Ansprüche, auf die du vielleicht ein Anrecht hast. Möglicherweise ist es nicht so, wie du denkst. Möglicherweise kommt es anders, als du denkst. Möglicherweise bist du am Arsch, wenn du so leichtfertig denkst.

Am besten sagst du als Zuverdienerin mit Minijob – oder gar ganz ohne Job: „Heiraten? Nee, sorry, super antiquiert.“ Weil du ja so mega emanzipiert bist, ne? Dir ist aber schon klar, dass du als Unverheiratete im Fall einer Trennung oder bei Tod des Partners nichts bekommst? Null, niente, nada. Ein Partnerschaftsvertrag sollte dann das Mindeste sein. Unromantisch? Nein, eher vernünftig. Um das Umzusetzen hilft es, sich immer zu fragen: Wenn er Du wäre, würde er die Nachteile akzeptieren? (Natürlich nicht).

Wenn wir wirklich emanzipiert sein wollen, dann dürfen wir uns nicht einreden lassen, dass es okay ist, einen 450 Euro Job zu machen, zu Hause zu bleiben und die Kinder zu hüten. Dann müssen wir die Konsequenzen genau kennen, uns um unsere Finanzen kümmern und bei unserem Partner auf einen ordentlichen monetären Ausgleich zwecks  unserer Vorsorge bestehen.

„Aber er arbeitet so viel, es wäre doch unfair, wenn ich ihm auf der Tasche liege.“ Jou, viel Glück. Ich hoffe, dass deine Beziehung für immer hält. Schon mal überlegt, dass nicht unbedingt er dich verlassen muss, sondern dass du irgendwann vielleicht selber keinen Bock mehr auf ihn hast, weil er ungenießbar wird, nie zu Hause ist, sich persönlich nicht weiterentwickelt und so weiter?

Es ist nicht immer schön, der Realität ins Auge zu sehen. Was die Finanzen angeht tut frau es aber lieber früher als später. Dem ein oder anderen Mann wird es wahrscheinlich nicht passen, dass die Partnerin sich für die Geldfragen interessiert. Es ist ja auch blöd für ihn, wenn plötzlich auffällt, dass er klammheimlich im Vorteil ist (oder nicht gut im Geld Anlegen ist).

Selbstverwirklichung vs. Unabhängigkeit

Da wäre leider noch das Problem mit dem Arbeiten an sich. Ich kenne keine Frau, der die 40-Stunden-Woche nicht zu viel ist. Das Problem an der ganzen Sache ist die Selbstverwirklichung. Wenn man die im Job nicht findet, macht man lieber was anderes. Zu Hause bleiben zum Beispiel.

Aus diesem Grund war mir in meiner Vorstellung die Aussicht auf zukünftige Teilzeitarbeit ein willkommenes Modell. Irgendwann ging mir ein Licht auf, dass eine Mutterrolle trotzdem kein zufriedenstellender Ersatz sein wird. Daher bleibt mir glücklicherweise nichts anderes übrig, als an meiner Unabhängigkeit festzuhalten, mich beruflich immer weiter zu entwickeln und den Fokus auf die berufliche Erfüllung zu legen. Auch auf die Gefahr hin, sie niemals zu finden.

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